Freitag, 9. September 2011

Rezension: "Die Rebellion der Maddie Freeman"

  • Autorin: Katie Kacvinsky

  • Titel: Die Rebellion der Maddie Freeman

  • Originaltitel: Awaken

  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten 

  • Verlag: Bastei Lübbe/Boje (18. August 2011) 

  • ISBN-10: 3414823004 

  • ISBN-13: 978-3414823007 



  • Das Cover fällt auf. Deshalb nimmt man das Buch in die Hand und liest sich den Rückentext durch. Der Rückentext klingt interessant. Deshalb kauft man das Buch und liest es. So war es zumindest bei mir. Ob mir dieses auffällige Buch gefallen hat? Ja, das hat es. Und nicht nur, weil es so schön pink ist.


    Handlung:
    Die 17jährige Maddie lebt in einer digitalen Welt. Menschen treffen sich nicht persönlich - wofür gibt es schließlich das Internet? Freunde hat Maddie viele, aber persönlich hat sie erst wenige getroffen. Die Schule hat sich auch verändert, denn jetzt gibt es die Digital School, kurz "DS". Und der Gründer davon ist niemand geringeres als Maddies Vater.

    Als Maddie Justin kennenlernt, verändert sich ihre Welt schlagartig. Justin macht ihr klar, dass diese digitale Welt keinesfalls so positiv ist, wie es immer scheint.
    Die digitale Welt verändert die Menschheit - im negativen Sinne. Er will der Menschheit die Augen öffnen, doch das geht nur, wenn er und seine Freunde rebellieren. Und er braucht Maddie dazu. Doch jetzt ist die Frage: Will sich Maddie auflehnen, gegen ihren Vater, gegen alles, was ihr bis jetzt sicher schien? Wo will sie leben und vor allem: Wo will sie sich verlieben?


    >> Die Welt unterteilt sich in Menschen, die dir erzählen,
    dass deine Träume unerreichbar sind, und solche,
    die dich auf die Schultern heben, damit du besser herankommst.
    Vielleicht weiß ich nicht sehr viel über das Leben,
    aber zumindest habe ich inzwischen eine Ahnung, mit wem
    ich meine Zeit verbringen will.
    Ich lasse mich lieber zu den Sternen heben als am Boden festnageln. <<
    - Seite 176

    Meine Meinung
    "Die Rebellion der Maddie Freeman" ist eine Dystopie. Vielleicht die "wahrscheinlichste", die gerade in den Buchhandlungen steht, denn das Thema, das hier behandelt wird, ist absolut aktuell. Facebook, Twitter, etc. - wir sind alle angemeldet und jetzt seien wir mal ehrlich: sind wir nicht alle schon ein Stückchen abhängig von diesen ganzen Internetforen? Und genau diese Abhängigkeit ist das Hauptthema dieses Buches, nur sehr viel extremer. Die Menschen gehen nicht mehr aus dem Haus, denn das bedeutet Sicherheit. Werden wir auch mal so enden? Wenn man vom Auslöser ausgeht, ist das nicht unwahrscheinlich. Das ist der Grund, warum das Buch so erschreckend ist. Es macht uns klar, dass wir das Leben mit eigenen Augen sehen müssen, um es wirklich geniessen zu können.

    Es fängt alles relativ harmlos an, man wird in das Leben von Maddie eingeführt, lernt ihre Umgebung kennen und stellt fest, wie das Leben ist, wenn man alles digital erlebt und die Menschheit von Computern abhängig ist. Maddies Eltern können unterschiedlicher nicht sein - der Vater ist Chef von der Digital School und ist komplett für die digitale Welt, Maddies Mutter dagegen sieht auch die negativen Seiten und möchte die "altmodische" Welt nicht aufgeben. Das merkt man z.B., wenn sie Maddie Bücher schenkt. Gedruckte Bücher. Alte Bücher.
    Sowas kommt in der neuen Welt nicht vor, trotzdem möchte ihre Mutter, dass ein Stückchen der alten Welt existent bleibt. Maddies Mutter ist ein toller Charakter, der die Geschichte wunderbar abrundet.
    Kevin Freeman dagegen ist, obwohl er Maddies Vater ist, der "Bösewicht" der ganzen Geschichte. Das ist sehr interessant, denn obwohl ihre Mutter und ihr Vater verheiratet sind, unterstützt die Mutter die Rebellion indirekt, im Endeffekt kämpft sie dadurch gegen ihren eigenen Ehemann an. Und trotzdem führen die beiden eine glückliche Ehe.

    Neben den Eltern gibt es eher wenige Charaktere; Maddie, Justin und seine Freunde. Wenn man als Autor wenige Charaktere einbaut, müssen diese umso lebendiger und einzigartiger sein. Das war hier leider nicht der Fall. Ich empfand sie als Stereotypen. Leider. Es war zwar recht angenehm, über sie zu lesen, aber trotzdem blieben sie relativ flach. Maddie ist (obwohl sie eine "rebellische Ader" hat, wie sie selber sagt) total naiv und jammert gerne mal ein wenig rum, oder beschwert sich. Das Mädchen ist 17. Siebzehn! Dabei hatte ich oft das Gefühl, über eine zwölfjährige zu lesen. Aber je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr passte Maddies Alter zu ihrem Verhalten.
    Justin war das komplette Gegenteil: 20 Jahre alt, schmiss aber mit Lebensweisheiten um sich, als ob er schon 80 Jahre Lebenserfahrung hätte. Darüber kann man hinwegsehen. Aber dass sich so ein intelligenter, reifer Mann in die zwölfjährige siebzehnjährige Maddie verliebt, ist komisch. Noch komischer ist seine Standarterklärung: "Du bist so wunderschön!" Ähm?
    Außerdem: Maddie ist total computerabhängig, wie sie selbst zugibt. Doch dann plötzlich taucht Justin auf, redet ihr ein, dass die Welt ohne Computern viel besser ist und - Boom! - denkt Maddie das auch. Wo ist deine eigene Meinung, liebe Maddie?

    Die Handlung an sich wechselte zwischen vorhersehbar und überraschend. Der Anfang hat mir sehr gut gefallen, er regt zum Weiterlesen an und macht neugierig. Der Mittelteil war leider weniger gut. Die Spannung war kaum vorhanden (zumindest meiner Ansicht nach). Dafür fand ich das letzte Drittel klasse. Das Ende ist ziemlich passend, es ist zwar realtiv offen, klärt aber genau die richtige Anzahl an Fragen, um dem Leser noch Freiraum für die eigene Fantasie zu lassen. Ich würde mich über eine Fortsetzung freuen, ich fände es aber nicht schlimm, wenn die Autorin es bei diesem Ende belassen würde.
    Diese Dystopie gehört zu den ruhigeren und weniger verstörenden seiner Art. Wie gesagt, das Thema ist aktuell und es ist klasse, dass die Autorin eine Nachricht rüberbringen will. Ob ihr das gelingt, muss jeder selbst entscheiden.

    Schreibtil:
    Der Schreibstil sticht nicht heraus, aber es gibt viele schöne Formulierungen (siehe Zitat oben). Es wird aus Maddies Sicht erzählt, sodass man wunderbar mitbekommt, was Maddie denkt/fühlt. Auch ihre Wandlung bekommt man so sehr gut mit.

    Cover:
    Pink! Grell! Auffällig! Ich finde, dass das Cover doch ziemlich gut zur Geschichte passt, denn es bringt Maddies Naivität wunderbar rüber. Ob das so beabsichtigt war, ist die andere Frage. ;)

     
    Fazit:
    Eine angenehm zu lesende Geschichte mit einer naiven Protagonistin und ihrem allwissenden Lover. Die Handlung ist toll, die Idee dahinter sowieso. Ganz bestimmt nicht die beste Dystopie, die gerade auf dem Markt ist, aber definitiv lesbar. 7 Punkte (von 10).

     
    Zu dem Buch gibt es auch einen tollen Trailer, den ich wirklich super finde. Schaut mal:

    Kommentare:

    1. Mir hat das Buch super gut gefallen. Es war mein Highlight im Monat August. Ich bin richtig begeistert :-) Schöne Rezi.

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    2. Danke für deine schöne Rezi. Ich stand dem Buch aufgrund der vielen negativen Rezis doch sehr skeptisch gegenüber, aber jetzt ist das Buch auf meiner Wunschliste doch wieder höher gerutscht :-)

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