Donnerstag, 31. Januar 2013

[Rezension] "Neubeginn in Virgin River"

5 Meinungen
 
"Neubeginn in Virgin River" ist der Auftakt einer Reihe, die aktuell 21 (?) Bände umfasst. Das heißt also, wenn einem der erste Band gefällt, dann wird man wohl nicht drum kommen, die Reihe weiter zu verfolgen - im Extremfall jahrelang. Schlimm finde ich das aber nicht, denn ich hatte sehr viel Spaß mit diesem Buch und kann mir durchaus vorstellen, dass die Autorin über viele Bücher hinweg zu unterhalten weiß.

Die Geschichte liest sich wie eine Fernsehserie. Es gibt eine Hauptperson, diese lernt weitere Charaktere kennen, alle haben ihre kleinen und großen Probleme, diese wiederrum sind miteinander verknüpft. Man bekommt von jedem etwas mit und muss ein gutes Gedächtnis haben, um sich die ganzen Namen und die dazugehörigen Handlungen auseinander halten zu können. Durch diese Komplexität wird dem Leser aber nie langweilig und man hat das Buch schneller durch als man zuerst glauben mag.
Es werden sehr viele, verschiedene Themen angesprochen, sodass die Abwechslung nie zu kurz kommt - für mich ein absoluter Pluspunkt!

"Neubeginn in Virgin River" spielt in einem liebenswerten Dorf, in dem man sich auch als Leser sofort wie zu Hause fühlt und das man nur ungerne verlassen möchte. Genau wie Mel habe ich mich absolut in Virgin River verliebt und freue mich sehr auf die folgenden Bände. Auch die dort lebenden Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen, denn sie sind alle wahnsinnig sympathisch. Gleichzeitig ist das aber ein Kritikpunkt in meinen Augen, denn sie sind mir zu perfekt. Vor allem bei den beiden Hauptpersonen, Mel und Jack, sucht man vergeblich nach Macken. Schade, denn das hätte sie mir noch näher gebracht. Trotzdem habe ich beide in mein Herz geschlossen und einige schöne (Lese-)Stunden mit ihnen verbracht.

Sehr gefallen hat mir die Liebesgeschichte zwischen den beiden, denn diese entwickelt sich realistisch und langsam, ist aber keinesfalls kitschig, auch wenn Jack einem Prinz Charming nicht ganz unähnlich ist. Für das nötige Drama sorgt Mels Vorgeschichte, dich mich tatsächlich berührt hat, denn ihre Gefühlswelt ist wahnsinnig gut dargestellt, man fühlt als Leser zu 100% mit ihr mit. Top!

"Neubeginn in Virgin River" liest sich nicht nur wegen der interessanten Handlung unglaublich schnell, sondern auch wegen dem einfachen Schreibstil. Ich hoffe sehr, dass ich bald dazu komme, Virgin River einen weiteren Besuch abzustatten.

Insgesamt ist "Neubeginn in Virgin River" ein gelungener Serienauftakt, der extrem Lust auf mehr macht. Auch wenn die Charaktere mir zu makellos waren, habe ich jeden einzelnen von ihnen gerne begleitet, vor allem Mel habe ich in mein Herz geschlossen. Empfehlenswert für alle, die leichte Unterhaltung im Stil einer Fernsehserie suchen und ein paar Stunden Zeit haben, denn dieses Buch lässt sich nur schwer aus der Hand legen. Gute 7 Punkte gibt es dafür von mir.

[Rezension] "Abgeschnitten"

2 Meinungen
Der neue Psychothriller von Sebastian Fitzek wurde von mir erwartet wie kein anderes Buch in diesem Jahr. Diesmal hat sich Herr Fitzek aber nicht alleine an den Schreibtisch gesetzt, sondern arbeitete mit Michael Tsokos, einem sehr bekannten deutschen Rechtsmediziner, zusammen. Hat das der Geschichte geschadet? Nein, ganz im Gegenteil. Wir sind es nicht anders von Herr Fitzek gewohnt, auch dieses Buch ist wahnsinnig spannend und strotzt nur so vor überraschenden Wendungen. Die Handlung ist rasant und die Charaktere kantig. Und alles, was ich nach Beenden des Buches dachte, war "Fitzek eben. Der kann's halt.".

Die Charaktere sind interessant, aber weit von der Vollkommenheit entfernt. Sie haben ihre Macken und Eigenschaften, und sind trotzdem, oder gerade deshalb, sehr sympathisch. Oft ist die Art wie sie handeln sehr menschlich und lässt sie lebendig wirken. Wobei ich aber sagen muss, dass ich nicht alle Handlungen nachvollziehen konnte. Nehmen wir Herr Herzfeld, den Protagonisten. Seine Tochter wird entführt und natürlich gerät er in Panik. Aber diese Panik ebt relativ schnell ab und er wirkt gar nicht mehr so verzweifelt. Meiner Meinung nach hätte man das etwas realistischer darstellen können. Oder Linda, die Comiczeichnerin. Sie ist jung, reagiert aber auf manche Sachen überraschend gefasst (zB die Anfangsszene in ihrem Haus). Ich an ihrer Stelle wäre wahrscheinlich durchgedreht bzw. unter Leute geflüchtet, aber Linda sieht das anders. Auch die Tatsache, dass sie recht schnell einwilligt, einen Menschen aufzuschneiden, finde ich bedenklich.
Trotzdem habe ich beide sehr gerne begleitet, denn beide Protagonisten sind sehr warmherzige Menschen, denen man nur das Beste wünscht und deshalb immer weiterliest, um herauszubekommen, ob "das Beste" denn auch eintritt.

"Abgeschnitten" hat eine sehr interessante und, zumindest für mich, neuartige Thematik, die immer wieder erwähnt oder durchgeführt wird, nämlich die Sezierung einer Leiche. Da das immer sehr detailreich beschrieben wird, ist das sicherlich kein Buch für schwache Nerven bzw. einen schwachen Magen. Wenn man aber kein Problem mit sowas hat, ist es wahnsinnig interessant diese Passagen zu lesen, keinesfalls langatmig, man fühlt sich, als würde man gerade selber einen Menschen aufschneiden, was natürlich zu der makaberen Note der Handlung beiträgt. Man merkt also deutlich, dass hier ein erfahrener Rechtsmediziner mit am Werk war, das rundet das Ganze perfekt ab.

Die Handlung an sich ist wie gewohnt verstrickt und verwickelt, und dadurch stets sehr überraschend. Manche Kapitelendungen haben mir tatsächlich einige kleine Herzinfarkte beschert und auch manche Auflösung liesen mich kurz den Atem anhalten. Da kann man sagen was man will, aber Spannung aufbauen ist Herr Fitzeks Fachgebiet.
Das Buch kann man an einem Stück lesen, da es nie langweilt, außerdem trägt auch der gute Schreibstil dazu bei. Er ist nicht übermässig kompliziert, aber sehr atmosphärisch, kurze Sätze bei spnannenden Passagen, lange bei Monologen, so ist dieses Buch nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich ein sehr gelungenes Werk.

Leider wurden einige Nebenhandlungsstränge erwähnt, aber nie fortgeführt. So hätte ich sehr gerne mehr über den Praktikanten erfahren, nur um ein Beispiel zu nennen.

Das Beste an diesem Buch ist aber die Botschaft, die in einigen abgedruckten Zeitungsartikel verdeutlich wird; die Tatsache, dass in Deutschland ein Steuerhinterzieher im Extremfall länger in Haft muss als ein Kinderschänder. Da fragt man sich wirklich, wo leben wir eigentlich? Ich finde es einfach bemerkenswert, dass die Autoren darauf aufmerksam machen, denn das ist wirklich etwas, was man kritisieren und diskutieren sollte. Meiner Meinung nach agieren sie hier vorbildhaft.

Wie sind wir es von Herr Fitzek gewohnt? Spannend. Schockierend. Verwickelt. Das alles bekommen wir auch hier geboten, zusammen mit kantigen Charakteren und einem sehr atmosphärischen Schreibstil. Für das Extra sorgt Michael Tsokos, der uns lehrt, wie man eine Leiche aufschneidet. Ein sehr gelungenes und interessantes Werk, dem ich 8 Punkte (von 10) vergebe. Lesen!