Montag, 16. Januar 2012

Rezension: "Totentöchter - Die dritte Generation"

  • Titel: Totentöchter - Die dritte Generation
  • Autorin: Lauren Destefano
  • Originaltitel: Wither
  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: cbt
  • VÖ: 19. September 2011
  • ISBN-10: 3570161285
  • ISBN-13: 978-3570161289




  • Handlung:
    Rhine ist sechzehn Jahre alt – und wird in vier Jahren sterben. Ein missratenes Genexperiment hat katastrophale Folgen für die Menschheit: Frauen leben nur bis zum zwanzigsten, Männer bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr. In dieser Welt ist nicht ungewöhnlich, was Rhine passiert: Sie wird entführt und mit dem reichen »Hauswalter« Linden in eine polygame Ehe gezwungen, um möglichst schnell Nachkommen zu zeugen. Rhine präsentiert sich eine glitzernde Welt voller Luxus und Reichtum – eine Welt ohne Freiheit. Gemeinsam mit dem Diener Gabriel plant Rhine ihre Flucht, bevor es zu spät ist… (via cbt)


    "Liebe reicht nicht aus, um irgendeinen
    von uns am Leben zu halten."
    S. 363


    Meine Meinung

    "Totentöchter - die dritte Generation" ist ein ganz besonderes Buch. Zuerst fällt einem natürlich dieses unfassbar schön gestaltete Cover ins Auge, die Liebe zum Detail, diese harmonierenden Farben. Die Aufmachung macht neugierig, man möchte sich vergewissern, dass der Inhalt genauso gelungen ist, wie das Cover. Ich habe so gehofft, dass der Inhalt mich nicht enttäuscht. Das tat er nicht, ganz und gar nicht. Er übertraf meine Erwartungen weit und lies die Angst vor der Enttäuschung schnell verfliegen. 

    Das Debüt von Lauren DeStefano ist eine Dystopie. Dystopien liegen derzeit ja sehr im Trend, es werden immer mehr Zukunftsvorstellungen in Buchform veröffentlicht. Die wirklich Guten zu finden, entwickelt sich immer mehr zu einer Herausforderung. Meistens geht es um eine erschreckende Entwicklung, die die Welt durchgemacht hat und oft auch über die verkehrte Gesellschaft, die daraus entstanden ist. Die Thematik von "Totentöchter" ist ähnlich: die Folge eines misslungenen Genexperimentes ist der Tod aller Frauen im Alter von 20 Jahren, die Männer sterben mit 25 Jahren. Die Gesellschaft hat sich verändert, in eine sehr negative Richtung. Eine mögliche Zukunft, die wir gar nicht richtig erfassen können, die für uns unvorstellbar ist. Doch Lauren DeStefano schafft es, dem Leser diese Welt so nahe zu bringen, dass man anfängt, sich sehr viele Gedanken darüber zu machen. Was wäre wenn es tatsächlich so wäre? Ein beängstigender Gedanke, den man am liebsten aus seinem Kopf löschen würde. Doch es geht nicht, denn die Autorin vermittelt uns die Zustände so real und bedrückend, dass man meint, mittendrin zu sein. Immer wenn ich das Buch zugeklappt habe, musste ich erst mal tief ausatmen und mir ins Gedächtnis rufen, dass das "nur" eine Geschichte ist. Nicht die Realität. "Totentöchter" ist eine Dystopie der anderen Art; nicht sehr laut und nicht sehr rebellisch. Dafür aber sehr emotional und intensiv, einfach sehr besonders.

    Die Protagonistin Rhine ist ein starker Charakter. Dass sie erst 16 ist, merkt man ihr kaum an. Früh hat sie ihre Eltern verloren und musste zusammen mit ihren Zwillingsbruder mehr oder weniger ums Überleben kämpfen. Als sie entführt und in die Villa gebracht wird, ist sie verzweifelt, doch trotzdem bleibt sie stark und handelt (fast) das ganze Buch über sehr überlegt. Rhine ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen, sie ist eine intelligente junge Frau, die kämpft, wenn sie etwas wirklich will. Durch die genauen Beschreibungen ihrer Gefühle fühlte ich mich ihr immer sehr nah und fühlte tatsächlich mit ihr - es ist selten, dass ich aufgrund der Gefühlslage eines Buchcharakters ein oder mehrere Tränen verdrücken muss. Rhine verändert sich während des Handlungsverlaufes, wird erwachsener, reifer und der Leser erlebt das hautnah mit. All ihre Hochs und Tiefs sind so einfühlsam beschrieben, dass man sich freut, wenn Rhine glücklich ist und weinen möchte, wenn sie traurig ist. Eine sehr starke Heldin, die man einfach mögen muss.

    Gleich am Anfang wird man mitten in die Handlung "hineingeworfen" und muss sich ein wenig zurecht finden, was aber kein Problem darstellt. Da es relativ wenig Action gibt, hat die ganze Handlung eine eher ruhige Note. Dafür wird sehr viel auf Gefühl gesetzt. Außerdem gibt es sehr wenige Schauplätze. Trotzdem wurde es nie langweilig, ich war gefesselt von dieser Geschichte, von Rhines Entwicklung, von all den Geheimnissen, die es zu lösen galt. Auch die erschreckenden Wendungen bewirkten, dass ich gar nicht mit dem Lesen aufhören wollte. Kurz gesagt; still, aber fesselnd. 

    Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, wie sollte es denn auch anders sein. Doch obwohl diese im Hintergrund blieb, hat sie mich sehr berührt, denn sie entwickelt sich langsam und realistisch. Es gibt mehr oder weniger ein Liebesdreieck, doch hier hat es mich, entgegen meiner sonstigen Einstellung gegenüber solchem, kaum gestört. 

    Das einzige, das ich zu bemängeln habe, ist, dass man nicht sehr viel über das Virus, das Frauen mit 20 und Männer mit 25 sterben lässt, erfährt. Doch vielleicht wird das ja in dem nächsten Band nachgeholt, denn es wird eine Fortsetzung geben, die am 21. Februar dieses Jahres auf englisch erscheint. Aber: "Totentöchter" ist realtiv abgeschlossen und obwohl einige Fragen offen bleiben, kann man das Buch auch als Einzelband sehen.

    Es gibt zwei Sachen an diesem Buch, die mich absolut verzaubert haben. Zum einen der Schreibstil - einfach der Wahnsinn. Geniale Metaphern, großartige Wortwahl, tolle Beschreibungen, die die Geschichte vor meinen Augen zum Leben erweckt haben. Sehr,sehr gefühlvoll. Lauren DeStefanos Schreibstil erzeugt eine dichte Atmosphäre und oft auch eine Gänsehaut. Sie bringt Gefühle rüber, als ob sie den ganzen Tag nichts anderes macht, als Gefühle aufzuschreiben. Einfach großartig.  Die andere Sache, die mir so gut gefallen hat und ich behaupte jetzt einfach mal, dass es das Beste an dem ganzen Buch ist, sind die Charaktere. So unfassbar genau gezeichnete Charaktere! So detailreich, so lebendig, ich kann es gar nicht beschreiben. Jeder war so lebendig, ich konnte anhand der wörtlichen Rede unterscheiden, wer spricht. Es ist einfach unglaublich, wie die Autorin die Charaktere geschaffen hat und ich meine damit nicht, dass jeder von ihnen ein toller und netter Charakter ist, sondern dass jeder von ihnen einzigartig und individuell ist, so wie im echten Leben. Sogar jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, kann ich mich noch genaustens an Cecilys Gequängel und Jennas stille Art erinnern. Es ist eine große Leistung, wenn die Charaktere nach Beenden des Buches im Kopf des Lesers weiterleben, doch genau das hat Lauren DeStefano bewirkt. 

    Cover:
    Ohne Worte. Ich liebe es. Das Mädchen darauf könnte durchaus Rhine sein und passt auch zu meinen Vorstellungen. Ich liebe die Motive, den Bezug zur Geschichte, die Farben, die Schrift, die Harmonie - einfach alles. Ganz klar eins der schönsten Bücher in meinem Regal.


    Fazit:
    "Totentöchter - die dritte Generation" lebt von den Charakteren und von dieser unfassbaren Sprachgewalt. Eine starke Heldin, intensive Handlung und sehr viel Gefühl, das zusammen gibt eine ganz besondere Dystopie. Lest dieses Buch und lasst euch auf diese erschreckende Welt ein, ihr werdet es nicht bereuen. 9 Punkte (von 10).


    ! Ich bedanke mich ganz herzlich bei dem cbt-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares !

    Kommentare:

    1. Schöne Rezi, du nimmst mir die Worte aus dem Mund :-)
      LG

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    2. Danke Lena, das freut mich :)
      Grüße!

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