Freitag, 22. Juni 2012

Rezension: "Die Insel der besonderen Kinder"

2 Meinungen
  • Titel: Die Insel der besonderen Kinder
  • Autor: Ransom Riggs
  • Übersetzerin: Silvia Kinkel
  • Originaltitel: Miss Peregrine's Home for Peculiar Children
  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: PAN
  • Deutsche VÖ: 2. November 2011
  • ISBN-10: 3426283689
  • ISBN-13: 978-3426283684
  • Teil einer Reihe? Inoffiziell ja.

Handlung:
Die Insel. Die Kinder. Das Grauen. Bist Du bereit für dieses Abenteuer? Manche Großväter lesen ihren Enkeln Märchen vor – doch was Jacob von seinem hörte, war etwas ganz, ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der merkwürdige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben – und von den Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind. Inzwischen ist Jacob ein Teenager und glaubt nicht mehr an die wunderbaren Schauergeschichten. Bis zu jenem Tag, an dem sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt … via

Jakob begibt sich auf eine Reise, um die besagte Insel zu finden. Was er dort findet, überschreitet die Grenzen seiner Fantasie. Unmögliches scheint plötzlich möglich zu sein und es gibt nur eine Frage zu klären: Was spielt Jakob für eine Rolle bei dem Ganzen?


Meine Meinung:
"Die Insel der besonderen Kinder" trägt die perfekte Bezeichnung eigentlich schon im Namen - besonders. Ja, dies ist ein ganz besonderes Buch mit einer ganz besonderen Geschichte und mit ganz besonderen Charakteren. Es verzaubert und entführt den Leser in eine faszinierende Welt, in der es nur so von Bösewichten wimmelt. Und trotzdem möchte man als Leser diese Welt nur ungern verlassen. Aber der Reihe nach...

Fangen wir bei den Charakteren an, bei diesen wunderbar vielfältigen und facettenreichen Personen. Vor allem Kinder spielen hier eine Rolle und obwohl der Autor ein erwachsener Mann ist, schafft er es spielend leicht, die Kinder zum Leben zu erwecken, sie reden wie Kinder und sie handeln auch so. Auch die Erwachsenen sind großartig ausgearbeitet, jeder hat seine persönlichen Charakterzüge. Wie oft habe ich mich gefragt, welche Rolle wohl diese Person in der Gesamthandlung spielt, ob man ihr trauen kann. Und wie oft lag ich daneben. Denn auch wenn einige Sachen doch ziemlich vorhersehbar waren, genauso oft hat mich der Autor in die Irre geführt.

Jakob ist ein sehr angenehmer Charakter, für sein Alter schon sehr reif. Er handelt überlegt, aber ganz jugendlich, ist außerdem sehr clever und lässt Gefühle zu. Was mir besonders an ihm gefallen hat, war sein Humor, nicht selten musste ich über seine Aussagen schmunzeln, wenn nicht sogar lachen.

Auch die Handlung an sich ist faszinierend und gleicht einem Märchen, aber eins der grusligen Art. Die Geschichte handelt von einem Jungen, der eine geheimnissvolle Insel aufsucht, um sie zu erkunden und um das ein oder andere dunkle Geheimnis aufzudecken. Klingt spannend? Ist es auch. Nach und nach kommen Sachen ans Licht, mit denen man nie gerechnet hätte. Und schließlich geben sie ein zusammenhängendes Bild ab, das durchaus logisch ist. Diese Geschichte fesselt und fasziniert, weil sie so andersartig ist. Kein typisches Jugendbuch, es enthält nur einen Hauch Romantik, dafür umso mehr Fantasie. Sicherlich ist das Thema nicht jedermanns Sache, denn die Handlung entfernt sich mit jeder Seite von der Realität. Am Anfang dachte ich, es handelt sich hier um realitätsnahe Geschichte mit Gruselelementen, aber weit gefehlt. Ich hätte nie gedacht, worauf das alles hinausläuft. Denn was mir erzählt wurde, war mehr als kreativ und sehr, sehr interessant.

http://clockworker.de/cw/wp-content/uploads/2011/05/missp_cover_72dpi.jpegMan muss außerdem erwähnen, dass dieses Buch einige sehr lustige Stellen aufwies - ich lache selten bei Büchern, aber hier konnte ich nicht anders. Allerdings gab es hier genauso oft traurige, ja sogar dramatische Szenen, die mir eine Gänsehaut bereiteten. Nicht zuletzt, weil der zweite Weltkrieg eine Rolle spielt. Liest man dieses Buch, lässt man sich auf eine Achterbahn der Gefühle ein - man lacht, man weint, man zittert und vor allem; man geniesst.

Wie es sich für ein Märchen gehört, gibt es hier natürlich auch Bösewichte. So richtig typische, gruslige Wesen. Das war eine wilkommene Abwechslung, denn heutzutage wird es dem Leser oft selbst überlassen, rauszufinden, wer "böse" ist.  Hier nicht. Herr Riggs verbindet Märchenlemente mit modernen Handlungen und das sehr erfolgreich. Außerdem hat er einen tollen, packenden Schreibstil. Diesen Autor sollte man im Auge behalten. Übrigens, eine Verfilmung ist auch schon geplant und kann eigentlich nur gut werden, denn dieses Buch bietet reichlich Stoff für einen unterhaltsamen, spannenden Märchenfilm. Man darf gespannt sein!

Nicht zu vergessen ist bei diesem Buch die Aufmachung. Meiner Meinung nach hat sich der Verlag selbst übertroffen. In dieser Geschichte werden immer wieder Fotos erwähnt, die die besonderen Kinder darstellen. Das tolle daran; die Fotos sind auch im Buch zu finden und vor allem: sie sind echt! Das sind keine durch Photoshop veränderte Bilder, nein, das sind echte Aufnahmen von Sammlern, die diese Bilder dem Autor zur Verfügung gestellt haben. Und dieser hat daraus eine Geschichte gemacht, welche wir lesen dürfen und nebenbei können wir noch die Bilder bestaunen, um unser Kopfkino anzuregen. Großartig!

Fazit:
Ein tolles Jugendbuch, zwar nicht perfekt, dafür aber sehr besonders. Es bietet eine willkommene Abwechslung von der aktuellen Jugendliteratur, die Gefühlsachterbahn fesselt den Leser bis zur letzten Seite. Sehr viel fanastisches wird schön durch den großartigen Schreibstil des Autors verdeutlicht und das Ganze wird durch die bezaubernden Bilder im Inneren des Buches abgerundet. 8 Punkte (von 10) und eine Lesempfehlung für alle, die 10 bis 99 Jahre alt sind.

! Ich bedanke mich beim PAN-Verlag für die Bereitstellung dieses Buches !

Donnerstag, 14. Juni 2012

Rezension: "Godspeed - Die Reise beginnt"

4 Meinungen
https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgf3qIvzjO6ihu2h9R2cpW_if4Hs6GuuYHyrqG-I92e-tWc-NNksbYPl2_eUnce74jNYPYPlENhxLWXLZye-dfUvSAJSZaEcyVAfujWKdjhh2R0NBu6SYbvce358lln_cxnfOMtdxenlHw/s1600/Godspeed+-+Die+Reise+beginnt.jpg
  • Autorin: Beth Revis
  • Titel: Godspeed - Die Reise beginnt
  • Übersetzerin: Simone Wiemken
  • Originaltitel: Across the universe
  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: Dressler
  • Deutsche VÖ: August 2011
  • ISBN-10: 3791516760
  • ISBN-13: 978-3791516769
  • Teil einer Reihe? Ja, erster Teil einer Trilogie.


Handlung:
Die 17-jährige Amy ist einer der eingefrorenen Passagiere an Bord der "Godspeed". Sie und ihre Eltern sollen am Ende der Reise zu einem neuen Planeten wieder erweckt werden 300 Jahre in der Zukunft. Doch Amys Kühlkasten wird zu früh abgeschaltet. Wollte jemand sie ermorden? Gewaltsam ins Leben zurückgerissen, findet sie sich in einer fremden Welt wieder, in der alle Menschen einem tyrannischen Anführer folgen. Nur einer widersteht: der rebellische Junior, der sich fast magisch angezogen fühlt von Amy. Gemeinsam versuchen die beiden, den schrecklichen Geheimnissen der "Godspeed" auf die Spur zu kommen. Doch kann Amy Junior trauen? via


Meine Meinung:
Eigentlich wollte ich anfangs nur in das Buch reinlesen, die ersten paar Seiten überfliegen, um mir einen kleinen Eindruck zu verschaffen. Ich hatte einige Entscheidungsschwierigkeiten, was die Wahl meines nächsten Lesestoffs betraf, und da mich "Godspeed" so aus dem Regal anlächelte, nahm ich es in die Hand, schlug es auf und fing an zu lesen. Bei den geplanten zehn Seiten blieb es nicht, es wurden zwanzig und plötzlich waren es schon hundert. Was ich damit sagen will, ist, das Buch weiß zu fesseln. Von der ersten Zeile an.

"Godspeed" ist ein Jugendbuch, das in der weit entfernten Zukunft auf einem Raumschiff spielt und somit Sci-Fi und Dystopie verbindet. Sci-Fi ist nicht mein Genre...zumindest dacht ich das. "Godspeed" hat mir durchaus gezeigt, dass auch diese Art von Buch sehr zu überzeugen weiß. Sicher, die Handlung ist nicht zu 100% Sci-Fi-lastig, aber sie hat gewisse Elemente, die das Genre leicht bestimmen lassen. Die Verknüpfung von Dystopie, Jugendbuch und dem schon genannten Genre ist meiner Ansicht nach wirklich gelungen. Am Anfang hatte ich zwar einige Probleme, mich mit den ganzen Ausdrücken aus der Zukunft und vor allem auf dem Schiff zurecht zu finden, aber mit fortschreitender Handlung legte sich das. Man lernt die Begriffe schnell und sieht sie nicht als Stolperfalle an, was den Lesefluss betrifft.

Die Handlung an sich war ist sehr spannend konstruiert. Es gilt einige Probleme zu lösen, welche im Endeffekt auf ein großes, zusammenfassendes Problem zusammenlaufen. So kommt es auch, dass die Geschichte zwar komplex ist, den Leser aber keinesfalls unter sich erschlägt - ganz im Gegenteil, man möchte weiterlesen, man möchte Antworten auf seine Fragen. Vor allem nach der Hälfte des Buches nahm die Geschichte so richtig an Fahrt auf und man kann als Leser gar nicht anders, man liest die letzten 200 Seiten in einem Rutsch durch - so erging es zumindest mir. Die Spannung wird konstant aufrecht gehalten, durch überraschende Wendungen und schockierende Entdeckungen. Leider muss ich kritisieren, dass mir manche Probleme fast zu durchsichtig waren; wer der Übeltäter war, habe ich von der ersten Begegnung an geahnt. Das finde ich schade und so konnte mich diese Auflösung nicht mehr schocken (dafür konnten es  andere umso mehr).

Die Erzählweise wechselt nach jedem Kapitel, es wird immer abwechselnd aus Amys und aus Juniors Sicht erzählt. Und obwohl die Kapitel alle wirklich nicht lang waren, hatte ich gar kein Problem damit, zwischen den Erzählern zu unterscheiden. Der Wechsel hat mich auch nicht genervt, ich emfand ihn eher als spannend und ich konnte dadurch zu beiden Protagonisten eine Beziehung aufbauen.

Die Protagonisten an sich sind mir leider viel zu spät ans Herz gewachsen. Zum Ende hin mochte ich beide, aber das liegt vor allem daran, dass beide (vor allem aber Junior) eine wahrnehmbare Wandlung durchgemacht haben. Amy sah ich anfangs nur als zickiges Mädchen, welches pessimistisch durch die Gegend rennt und sich in dumme Situationen begibt. Schließlich zeigte sie mir aber, dass sie durchaus eine warme, weiche Seite besitzt und dass sie auch in der Lage ist, ihr Gehirn zu nutzen (am Anfang zweifelte ich nämlich an der Tatsache).
Junior war mir zuerst unglaublich suspekt. Er verhielt sich anfangs wie ein zwölfjähriger, unwissender Junge, nur um dann beim Anblick einer nackten Frau an ihrem Oberkörper hängen zu bleiben (?!?) bzw. beim Anblick eines Mädchens sofort ans Küssen zu denken. Tatsächlich ist der Junge aber 16 und da darf man doch davon ausgehen, dass er imstande ist, logisch zu denken. Dass er tatsächlich dazu imstande ist, zeigt er leider nur auf den letzten 150 Seiten. Aber immerhin. Ich bin gespannt, wie sich die Beziehung der beiden, oder auch wie sich die beiden allgemein in der Fortsetzung entwickeln werden.

Den Schreibstil emfand ich als sehr angenehm, der Lesefluss wurde nie durch komische Formulierungen oder ähnliches gestört und manche Sätze hatte einen gewissen Charme, schwer auszudrücken, was ich meine, aber der Schreibstil gefällt mir wirklich gut. Sehr gut gemacht sowohl von der Autorin, als auch von der Übersetzerin.
Was die Gestaltung des Buches angeht, so mag ich es nur ohne Schutzumschlag, denn diese Gesichter gefallen mir leider überhaupt nicht, denn sie passen nicht zu den Protagonisten. Großartig finde ich allerdings, dass auf der Rückseite vom Schutzumschlag eine Skizze von Raumschiff ist, sodass man sich als Leser das Szenen besser vorstellen kann. Find ich super, wenn sich der Verlag so viel Mühe macht.

Fazit:
Eine sehr spannende Zukunftsvision auf ganz unbekanntem Terrain, die trotz gewöhnunsbedürftigen Charakteren zu überzeugen weiß. Die durchsichtigen Probleme werden von der Spannung wettgemacht, genauso wie das Cover vom Schreibstil. Ich freue mich auf den im August erscheinenden zweiten Teil der Reihe, spreche eine Leseempfehlung aus und vergebe gute 7 Punkte (von 10).