Donnerstag, 31. Januar 2013

[Rezension] "Abgeschnitten"

2 Meinungen
Der neue Psychothriller von Sebastian Fitzek wurde von mir erwartet wie kein anderes Buch in diesem Jahr. Diesmal hat sich Herr Fitzek aber nicht alleine an den Schreibtisch gesetzt, sondern arbeitete mit Michael Tsokos, einem sehr bekannten deutschen Rechtsmediziner, zusammen. Hat das der Geschichte geschadet? Nein, ganz im Gegenteil. Wir sind es nicht anders von Herr Fitzek gewohnt, auch dieses Buch ist wahnsinnig spannend und strotzt nur so vor überraschenden Wendungen. Die Handlung ist rasant und die Charaktere kantig. Und alles, was ich nach Beenden des Buches dachte, war "Fitzek eben. Der kann's halt.".

Die Charaktere sind interessant, aber weit von der Vollkommenheit entfernt. Sie haben ihre Macken und Eigenschaften, und sind trotzdem, oder gerade deshalb, sehr sympathisch. Oft ist die Art wie sie handeln sehr menschlich und lässt sie lebendig wirken. Wobei ich aber sagen muss, dass ich nicht alle Handlungen nachvollziehen konnte. Nehmen wir Herr Herzfeld, den Protagonisten. Seine Tochter wird entführt und natürlich gerät er in Panik. Aber diese Panik ebt relativ schnell ab und er wirkt gar nicht mehr so verzweifelt. Meiner Meinung nach hätte man das etwas realistischer darstellen können. Oder Linda, die Comiczeichnerin. Sie ist jung, reagiert aber auf manche Sachen überraschend gefasst (zB die Anfangsszene in ihrem Haus). Ich an ihrer Stelle wäre wahrscheinlich durchgedreht bzw. unter Leute geflüchtet, aber Linda sieht das anders. Auch die Tatsache, dass sie recht schnell einwilligt, einen Menschen aufzuschneiden, finde ich bedenklich.
Trotzdem habe ich beide sehr gerne begleitet, denn beide Protagonisten sind sehr warmherzige Menschen, denen man nur das Beste wünscht und deshalb immer weiterliest, um herauszubekommen, ob "das Beste" denn auch eintritt.

"Abgeschnitten" hat eine sehr interessante und, zumindest für mich, neuartige Thematik, die immer wieder erwähnt oder durchgeführt wird, nämlich die Sezierung einer Leiche. Da das immer sehr detailreich beschrieben wird, ist das sicherlich kein Buch für schwache Nerven bzw. einen schwachen Magen. Wenn man aber kein Problem mit sowas hat, ist es wahnsinnig interessant diese Passagen zu lesen, keinesfalls langatmig, man fühlt sich, als würde man gerade selber einen Menschen aufschneiden, was natürlich zu der makaberen Note der Handlung beiträgt. Man merkt also deutlich, dass hier ein erfahrener Rechtsmediziner mit am Werk war, das rundet das Ganze perfekt ab.

Die Handlung an sich ist wie gewohnt verstrickt und verwickelt, und dadurch stets sehr überraschend. Manche Kapitelendungen haben mir tatsächlich einige kleine Herzinfarkte beschert und auch manche Auflösung liesen mich kurz den Atem anhalten. Da kann man sagen was man will, aber Spannung aufbauen ist Herr Fitzeks Fachgebiet.
Das Buch kann man an einem Stück lesen, da es nie langweilt, außerdem trägt auch der gute Schreibstil dazu bei. Er ist nicht übermässig kompliziert, aber sehr atmosphärisch, kurze Sätze bei spnannenden Passagen, lange bei Monologen, so ist dieses Buch nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich ein sehr gelungenes Werk.

Leider wurden einige Nebenhandlungsstränge erwähnt, aber nie fortgeführt. So hätte ich sehr gerne mehr über den Praktikanten erfahren, nur um ein Beispiel zu nennen.

Das Beste an diesem Buch ist aber die Botschaft, die in einigen abgedruckten Zeitungsartikel verdeutlich wird; die Tatsache, dass in Deutschland ein Steuerhinterzieher im Extremfall länger in Haft muss als ein Kinderschänder. Da fragt man sich wirklich, wo leben wir eigentlich? Ich finde es einfach bemerkenswert, dass die Autoren darauf aufmerksam machen, denn das ist wirklich etwas, was man kritisieren und diskutieren sollte. Meiner Meinung nach agieren sie hier vorbildhaft.

Wie sind wir es von Herr Fitzek gewohnt? Spannend. Schockierend. Verwickelt. Das alles bekommen wir auch hier geboten, zusammen mit kantigen Charakteren und einem sehr atmosphärischen Schreibstil. Für das Extra sorgt Michael Tsokos, der uns lehrt, wie man eine Leiche aufschneidet. Ein sehr gelungenes und interessantes Werk, dem ich 8 Punkte (von 10) vergebe. Lesen!

Freitag, 12. Oktober 2012

[Rezension] "Ich fürchte mich nicht"

3 Meinungen
Seit 246 Tagen befindet sich die 17-jährige Juliette in Isolationshaft. Die korrupte Regierung einer dystopischen Zukunft hat sie wegsperren lassen, denn Juliette besitzt einzigartige Kräfte, die so faszinierend wie erschreckend sind: Ihre Berührung ist tödlich. Juliette entzieht jedem, den sie anfasst, die Lebenskraft. Und das Schlimmste: sie kann nichts dagegen tun. Juliette kämpft mit ihren Wünschen und Hoffnungen, die sie sich weder eingestehen noch zugestehen kann. Umso mehr, als sie nach 246 langen Tagen plötzlich einen „Mitbewohner“ bekommt. Der Junge, der eines Tages in ihrer Zelle steht, heißt Adam. Juliette fühlt sich von ihm bedroht und zugleich zu ihm hingezogen, aber sie weiß ja, dass sie sich von ihm fernhalten muss. Und bald stellt sich auch heraus, dass Adams Auftauchen kein Zufall ist: Er entpuppt sich als Soldat und Spion des neuen Oberbefehlshabers Warner. Denn Warner ist von Juliette fasziniert und will ihre einzigartige Fähigkeit für sich nutzen. Er lässt sie in seinen Palast bringen, versucht sie durch Bestechung und Erpressung gefügig zu machen. Juliette schwankt zwischen ihrer aufkeimenden Liebe zu Adam, der sie verraten hat, und ihrer eigenartigen Faszination für den grausamen Warner, den sie eigentlich hassen sollte. Vor allem aber muss sie Antworten auf ihre drängendsten Fragen finden: Bin ich ein Monster? Ein schrecklicher Mensch, mit einer furchtbaren Gabe? Oder gibt es einen Weg, mit dieser Fähigkeit sinnvoll umzugehen und zu leben? via